ballesterer – Heft 132 / Juni/Juli 2018

Eine Analyse der Situation Russlands, verschiedene Blickwinkel auf die teilnehmenden Länder, gewitzte Prognosen: Das österreichische Fussballmagazin ballesterer gehört unter den WM-Heften einmal mehr zu den besten.

Cover ballesterer 132Wenn eine Weltmeisterschaft ansteht, schiessen die Publikationen dazu aus dem Boden. Jedes Medium möchte von der gesteigerten Aufmerksamkeit profitieren. Meist ergibt sich daraus eine lieblose Zusammenstellung von Nationalmannschaftskadern, einem mit Werbung vollgepackten Spielplan und ein paar Tipps mehr oder minder prominenter Personen.

Nicht so beim ballesterer. Obwohl das österreichische Fussballmagazin «kein Lesestoff für den dauerbreiten Stadion-Mob» ist, sondern «die Lektüre für geistreiche Leute, die Fussball als gesellschaftsrelevanten Faktor und als emotionales Kulturgut betrachten» (Tagesanzeiger) – oder gerade deswegen – veröffentlichen die Macher vor jeder Weltmeisterschaft eine Nummer, die ganz im Zeichen ebendieser steht. So auch in diesem Jahr.

Genau 100 Seiten bieten dem Leser und der Leserin eine breite Palette an Informationen. Jede Gruppe wird mit der gleichen Hingabe vorgestellt. Dabei beschränken sich die Macherinnen und Macher aber nicht einfach auf eine Vorstellung der Teams. Beim Iran thematisiert die stellvertretende Chefredaktorin Nicole Selmer beispielsweise, dass Frauen in Russland möglich sein wird, was in Teheran noch immer verboten ist: Als weiblicher Fan in ein Stadion zu gelangen. Über die Schweiz schreibt Zwölf-Chefredaktor Mämä Sykora, dass die Erfolge des aktuellen Teams neben Diskussionen um «richtige» und «falsche» Schweizer unterzugehen drohen.

Griezmann tanzt durch die Katakomben

ballesterer-SpielplanDie Gruppenvorstellungen werden abgerundet mit den wohl besten «Prognosen», begleitet von starken Bildern der beiden den Schwerpunkt verantwortenden Redaktoren Moritz Ablinger und Benjamin Schacherl. So ist sich Ablinger zum Beispiel sicher: «Beim Versuch die ‘Herr der Ringe’-Trilogie nachzutanzen, verirrt sich Griezmann in den Katakomben des Luschniki-Stadions, erst 2019 wird er von Ordnern noch immer tanzend gefunden.» Und wem das alles nicht reicht, kann das Heft auch einfach deshalb kaufen, weil eine der besten Analysen zur aktuellen Lage Russlands im Heft enthalten ist. Ein Artikel, der auch in Polit-Magazinen stehen könnte.

Wenn man denn etwas kritisieren müsste an der aktuellen Ausgabe, dann höchstens dass sich Chefredaktor Jakob Rosenberg im Vorwort für den Video-Schiri ausspricht. Aber über Glaubensfragen lässt sich bekanntlich schlecht streiten.

Man muss also dem Tagesanzeiger zustimmen, der vor einigen Wochen geschrieben hatte: «Am 17. Mai erscheint die «Ballesterer»-Ausgabe zur Fussball-WM, für die wir an dieser Stelle den Befehl «Kaufen!» ausgeben.» Wobei, Pascal Claude hatte das vor Jahren schon präzisiert, weshalb ich ihn auch in der ersten Rezension zum ballesterer bereits zitiert hatte. «Wie immer, wenn es um den ballesterer geht, erfolgt keine Kaufempfehlung. Sie müssen das Heft nämlich abonnieren.»

 

Titel: ballesterer
Untertitel: Magazin zur offensiven Erweiterung des Fussballhorizonts
Ausgabe: Heft 132 (Juni/Juli 2018)
Typ: Magazin ohne Vereinsbindung
Preis: 7.50 €
Seiten: 100
Erscheinungsrhythmus: 10x/Jahr
Infos: https://ballesterer.at/
Empfehlenswert für: Alle, die sich auf die WM freuen, die Kritik an Russland aber nicht ignorieren wollen. Für alle, die genug haben von den Standard-Publikationen zur WM.
Eselsohr-Ratio: 9% [Beim Lesen eines Magazins/eines Buches markiert der Rezensent einzelne Seiten mit Eselsohren, um später den Inhalt wieder aufzufinden, der als Themengeber für einen Blogpost, für einen eigenen Artikel oder auch einfach nur als Kaufempfehlung interessant ist. Die Anzahl Eselsohren wird ins Verhältnis gesetzt zur Anzahl Seiten.]

Disclaimer: Ich habe selbst schon für den ballesterer geschrieben. Meine Artikel finden sich hier.

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