ballesterer – Heft 95 / Oktober 2014

Das österreichische ballesterer hat sich seit seiner Entstehung im Jahr 2000 zu einem der führenden Fussballmagazine für all jene entwickelt, die sich mit simplen Spielberichten und Interviews nicht zufrieden geben.

Früher war ich begeisterter Abonnent des deutschen Fussballmagazins 11 Freunde – wohl der Platzhirsch unter den deutschsprachigen Fussballmagazinen. Mit der Zeit veränderte das Heft zumindest gefühlt seine Ausrichtung, ich kündigte mein Abo. Während ich beim 11 Freunde mittlerweile nur noch den Blog – und ganz selten mal ein Heft am Kiosk – konsultiere, verhält es sich beim ballesterer andersrum. Die Online-Präsenz lässt nach wie vor zu wünschen übrig, das Heft bleibt aber einsame Spitze. Auf rund 80 Seiten präsentieren die Macher Themen, die nicht nur durch ihre Vielfalt sondern – jedes für sich – auch durch die Qualität der Aufbereitung glänzen. Dem ballesterer verdanke ich es, mit Themen in Berührung zu kommen, die ich sonst kaum je betrachtet hätte. Dem ballesterer verdankt es mein Fussballclub – der FC St.Gallen – auch indirekt, in den Club of Pioneers aufgenommen worden zu sein. Dieser Club der jeweils ältesten Vereine je Land wurde durch das Engagement des St.Galler Fussballmagazins SENF in die Ostschweiz gelockt, weil deren Macher im ballesterer überhaupt erst von diesem Club erfahren hatten.

Der ballesterer schafft es aber auch immer wieder, aktuelle Themen aufzugreifen. Trotz der vermutlich eher Kommerz-kritischen Leserschaft findet so zum Beispiel die WM jeweils in einem eigenen Sonderheft statt. Im aktuellen ballesterer haben die Macher – so sagen sie im Vorwort – das ursprünglich geplante Titelthema gleich komplett über den Haufen geworfen, um innert kürzester Zeit die in Österreich sehr aktuelle Thematik von vor Gericht stehenden Fussballfans aufzugreifen. Ein Prozess gegen Rapid-Fans, bei dem ein Artikel zur Anwendung kam, der bis vor kurzem noch totes Gesetz war, dient als Aufhänger. Gerade bei solchen Texten zeigt sich die Qualität des Hefts: Die Macher schaffen es, berechtigte Kritik zu üben ohne gleich als voreingenommenes, verblendetes Sprachrohr der Fans zu wirken. Wahrlich keine einfache Aufgabe. Und trotzdem wird sie mit Bravour gemeistert, ja sogar noch der Bogen zu allgemeinen, gesellschaftlichen Fragen geschlagen. Dass es die Schreiber und Schreiberinnen des Magazins verstehen, schwierige Themen richtig anzugehen, zeigen sie auch immer wieder bei der Aufarbeitung der österreichischen Fussballgeschichte zur Zeit des zweiten Weltkriegs.

Unzählige weitere ehemalige und aktuelle Themen und Rubriken hätten es verdient, hier genannt zu werden. Die Auswahl würde jedoch unweigerlich zufällig erfolgen und eine Auflistung aller ist kaum möglich. Deshalb schliesse ich einfach mit einem Zitat des Schweizer Fussball-Bloggers, – Schriftstellers, -Fanzinemachers und –Schallplattensammlers Pascal Claude (knappdaneben.net): „Wie immer, wenn es um den ballesterer geht, erfolgt keine Kaufempfehlung. Sie müssen das Heft nämlich abonnieren.“

Titel: ballesterer – Magazin zur offensiven Erweiterung des Fussballhorizonts
Ausgabe: Heft 95 / Oktober 2014
Typ: Fussballmagazin ohne Vereinsbindung
Preis: 4.50 Euro
Seiten: 84
Erscheinungsrhythmus: 10x/Jahr
Infos:www.ballesterer.at
Empfehlenswert für: Alle Fussballinteressierten, die sich nicht nur um ihren eigenen Verein kümmern, die gerne auch mal über andere Themen lesen als in den Sportzeitungen. Interesse für den österreichischen Fussball ist nicht zwingend, macht das Heft aber noch interessanter.
Eselsohr-Ratio: 6,0% [Beim Lesen eines Magazins/eines Buches markiert der Rezensent einzelne Seiten mit Eselsohren, um später den Inhalt wieder aufzufinden, der als Themengeber für einen Blogpost, für einen eigenen Artikel oder auch einfach nur als Kaufempfehlung interessant ist. Die Anzahl Eselsohren wird ins Verhältnis gesetzt zur Anzahl Seiten.]

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