Box to Box – Issue 4 / Spring 2017

Seltsame Geschichten soll die aktuelle Ausgabe von «Box to Box» liefern. Das Magazin hält, was es verspricht. Ein paar Abzüge gibt’s trotzdem.

Box to Box CoverViele Fussballmagazine haben gemein, dass sie Fussball nicht nur als Sport verstehen. Sie wollen Geschichten erzählen, die darüber hinausgehen. Auch «Box to Box» will das. So deute ich zumindest den Namen des noch relativ jungen Magazins. Sogenannte «box-to-box midfielder» zeichnen sich dadurch aus, dass sie sowohl verteidigen als auch angreifen können. Ein solcher Spieler vereint also zwei Qualitäten, die sonst eher separat in unterschiedlichen Spielertypen vorkommen. Die «Box» bezeichnet dabei den Strafraum. Ein solcher Spieler geht also dahin, wos weh tut, wie man so schön sagt. Und zwar an beiden Platzenden. Ein schöner Gedanke, der dem Titel des Magazins Pate stand.

Ob das Magazin wirklich dahin geht, wos weh tut, sei an dieser Stelle offengelassen. Die aktuelle Nummer bietet eine abschliessende Würdigung dieser Frage nicht an. Mit dem Titelthema «Stranger Things» sind nämlich nicht unbedingt die grossen, kontroversen Fragen des Fussballs gemeint, sondern die seltsamen Geschichten, die er produziert. Oder, wie die Macher im Editorial sagen: «the sorts of stories that you’d want to tell your mates about at the pub» («jene Art von Geschichten, die du deinen Freunden im Pub erzählen willst»). Dieses Versprechen löst die Ausgabe auch ein. So sind im Heft Geschichten von kolumbianischen Teams zu hören, die nicht einmal jenen bekannt sein dürfen, die sich stundenlang durch YouTube-Videos klicken, um südamerikanische Fankurven zu beobachten. Auch die Historie von Kubas Fussball wird hierzulande nicht jedem Fussballfan präsent sein.

Bei der Zusammenstellung dieser «Stranger Things» kommt das Magazin fast ohne den Inhalt aus, der bei vielen anderen Publikationen wohl als Pflichtstoff gegolten hätte. Einzige Ausnahme: Auch «Box to Box» erzählt die Geschichte des sogenannten «Fussballkriegs» zwischen Honduras und El Salvador. Natürlich ist das spannend (und bedrückend), war so aber eben auch schon oft zu lesen. Inhaltlich überzeugt das Magazin ansonsten auf jeden Fall, auch wenn man der Redaktion noch etwas mehr Gewicht hätte geben können. Das in zwei Texten nacheinander die Rolle Pablo Escobars im kolumbianischen Fussball dargelegt wird, ist nicht nötig und vermutlich nur entstanden, weil die beiden Autoren unabhängig voneinander Texte eingereicht haben, die dann nicht konsequent redigiert wurden.

Postkarten von Box to BoxOptisch und haptisch fällt das Urteil unterschiedlich aus. Das Cover wirkt auf den ersten Blick etwas langweilig, vor allem im Vergleich zu früheren wie jenem der Erstausgabe. Die Illustrationen im Heft sind dann aber von sehr grosser Qualität. Das liegt auch daran, dass man sich sehr gute Partner an Bord geholt hat, wie zum Beispiel Ruckspiel, die sich auch für eine der drei mitgelieferten Postkarten verantwortlich zeigen.

Etwas mehr Wert hätte man auf die Anordnung des Texts legen können. Dieser wirkt stellenweise lieblos hingeklatscht, Stichwort: Bleiwüste. Aber auch optisch überzeugt das Heft dann in der Gesamtansicht. Dafür ist die Haptik des Magazins schlecht. Der an sich gute Ansatz, dickes Papier zu verwenden, wird hier ad absurdum geführt. Das Heft wird dadurch starr und man muss schon fast Gewalt anwenden, um es vernünftig lesen zu können.

Titel: Box to Box Football
Ausgabe: Issue 4 (Spring 2017)
Typ: Fussballmagazin ohne Vereinsbindung
Preis: 6 Pfund
Seiten: 68
Erscheinungsrhythmus: vierteljährlich
Infos: http://boxtoboxfootball.uk/
Empfehlenswert für: Fussballfans mit Interesse an Geschichten abseits des Alltags und abseits der ganz grossen Stars
Eselsohr-Ratio: 17,65% [Beim Lesen eines Magazins/eines Buches markiert der Rezensent einzelne Seiten mit Eselsohren, um später den Inhalt wieder aufzufinden, der als Themengeber für einen Blogpost, für einen eigenen Artikel oder auch einfach nur als Kaufempfehlung interessant ist. Die Anzahl Eselsohren wird ins Verhältnis gesetzt zur Anzahl Seiten.]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.