OOF – Issue 1 / Spring 2018

Ein Magazin, das sich im Untertitel «The Art & Football Magazine» nennt, kommt wohl für viele überraschend. Bei genauerer Betrachtung macht die Kombination durchaus Sinn. Fussball lässt Menschen fühlen, auch die Kunst will das.

OOF1-CoverFussball ist und war ein wiederkehrendes Element in der Kunst, wie Magazin-Gründer Eddy Frankel in der Erstausgabe von OOF schreibt. Das Magazin will Ordnung in die Verbindung bringen: «Football and art have been intertwined for centuries, we’re just trying to unravel that a little bit» («Fussball und Kunst sind seit Jahrhunderten ineinander verwoben, wir versuchen nur, das ein wenig zu entwirren»).

Nach der Lektüre der knapp 80 Seiten hat man dennoch das Gefühl, ein Entwirren sei eigentlich gar nicht nötig. Viel eher zeigt sich die tatsächliche Verknüpfung von Fussball und Kunst. Vielleicht am eindrücklichsten im Interview mit Petra Cortright, die auch für das Cover verantwortlich zeichnet. Cortright hätte es auf dem Platz selbst vielleicht weit bringen können, wäre sie nicht so ein «lazy little shit» gewesen, wie sie selber sagt. Entschieden hat sie sich aber für die Kunst, wo der Sport weiterhin Einfluss findet, wie der nachfolgende Clip zeigt.

Daneben zeigt dieses Interview eine weitere Stärke des Magazins. Es lässt die Leute so reden, wie sie eben reden. So sagt Cortright beispielsweise: «Some of the girls on my team were so fucking dumb. They’re just so basic, you know. Dumb athletes. They’re girl versions of these bros and there’s not a lot going on.» Es mag die Unbekümmertheit einer neuen Publikation sein, schön anzusehen ist sie trotzdem.

Es geht auch mal (fast) ohne Kunst oder Fussball

Trotz aller Kombination von Kunst und Fussball: Die Macher schaffen es gekonnt, in einzelnen Texten das eine oder andere fast gänzlich wegzulassen, wenn es für den Text nicht nötig ist. So dient beispielsweise ein Stück Streetart-Geschichte dazu, die Geschichte von Zvonimir Boban und seinem Tritt gegen einen Polizisten zu schildern. Ein anderer Text begleitet einen früheren Wisla-Fan, der zum ersten Mal seit langer Zeit wieder in «sein» Stadion geht. Und nicht mehr dazu gehört. Die starken Momente dieser Geschichte benötigen den Bezug zur Kunst nicht. Ausser vielleicht für eines der stärksten Zitate des Hefts: «It’s not a metaphor, like art. Violence is immediate, you do it and it happens.»

Abgerundet wird die Erstausgabe mit schönen Bildern und Projekten, so zum Beispiel Leo Fitzmaurices «Post Match», eine Ansammlung von zu Fussballtrikots gefalteten Zigarettenschachteln (pun intended, nehme ich an). Und gar ein wenig Schweiz-Bezug hat OOF – der Name ist gemäss den Verantwortlichen übrigens einem Bild von Edward Ruscha entlehnt –, nämlich beim Interview von Hans Ulrich Obrist mit Rose Wylie.

«Every day, football does with ease what art constantly tries to do: it makes people feel» («Jeden Tag macht Fussball das, was Kunst konstant zu erreichen versucht: Leute fühlen zu lassen»), sagt Frankel im Vorwort. Dieses Gefühl hat er zusammen mit seinem Team in der mittlerweile ausverkauften Erstausgabe gekonnt auf Papier gebannt. Ausgabe 2 ist für Juni angekündigt. Der Anspruch wird auch dann sein, die erwähnte Cortright in ihrem Zitat zu bekräftigen: «Football has painterly aspects to it. It’s simple but just really beautiful too, you know?»

Titel: OOF
Untertitel: The Art & Football Magazine
Ausgabe: Issue 1 (Spring 2018)
Typ: Magazin ohne Vereinsbindung
Preis: 6 Pfund
Seiten: 76
Erscheinungsrhythmus: noch unbekannt
Infos: https://www.oofmagazine.com/
Empfehlenswert für: Fussball- und Kulturinteressierte
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