Zwölf – Heft 66 / Juni 2018

Ein WM-Heft muss nicht zwingend eine Übersicht aller Gruppen, Spielorte und möglicher Finalisten beinhalten. Es kann auch die erste Reise der Schweizer Fussballmannschaft in die Sowjetunion nacherzählen und einen Baschi-Song analysieren. Genau wegen des anderen Zugangs lohnt sich Zwölf.

Zwoelf66-CoverÄhnlich wie der ballesterer ist auch die WM-Ausgabe des Schweizer Fussballmagazins Zwölf eine Wohltat unter den oft eher lieblosen WM-Publikationen. Wenig erstaunlich kommt auch der Tagesanzeiger zum Schluss: «Ähnlich wie beim Wiener «Ballesterer» … zielt auch dieses Magazin auf schöngeistige (Mit-)Denker und Lenker und weniger auf die Supporter von mentalen Blutgrätschen ab.»

Im Gegensatz zum ballesterer beziehen sich die Verantwortlichen des Zwölf für die WM-Nummer weniger auf Gruppenstrukturen, teilnehmende Ländern und dergleichen. Der Bezug zur aktuellen Weltmeisterschaft bleibt dennoch vorhanden. So zum Beispiel bei Raphael Brunners Text zum ersten Schweizer Länderspiel in der Sowjetunion. 1500 Fans reisten damals zum Spiel hinter dem Eisernen Vorhang mit und wurden bei der Rückkehr begeistert empfangen.

Den «Mann aus Sursee» kennt man nur in der Deutschschweiz

Auch das Interview mit den beiden Kommentatoren der italienisch- bzw. französischsprachigen Sender der SRG ist ein interessanter Zugang zur WM-Thematik. Offenbar ist der «Mann aus Sursee» im Westen und Süden der Schweiz kaum ein Begriff. Weitere erwähnenswerte Texte sind eine Analyse von Baschis Erfolg («Der Torwurm»), ein Text zur Einführung des Penaltyschiessens («Kopf oder Sieg»), eine Analyse der Bewertungen der Nati-Legionäre und ein Interview mit Xavi («Den Ball ins Aus schiessen? Eine intellektuelle Niederlage.»).

Was Zwölf neben den guten Texten und dem immer ausgezeichneten Layout – warum gibt’s eigentlich keinen WM-Spielplan vom Zwölf? – auch ausmacht, sind die guten Titel. In dieser Ausgabe besonders erwähnenswert: «Leben und kleben lassen» für einen Artikel über die Bedeutung einer Schweizer Familie für den Erfolg der Panini-Bildli.

Müsste ich etwas kritisieren, es gäbe eigentlich nur etwas: Raphael Rehmanns «Gedankenspiel» – die Satire-Rubrik – ist an sich gelungen. Dass man das einleitend aber so deutlich macht, ist unnötig und macht die Satire ein wenig kaputt. Ob die Macher da den Mut verlassen hat? Trotzdem: Auch fürs Zwölf gilt eine Abo-Empfehlung. Bis die Schweiz aus der WM ausgeschieden ist, gibt es für Neuabonnenten sogar 20% Rabatt.

Titel: Zwölf
Untertitel: Fussball-Geschichten aus der Schweiz
Ausgabe: Heft 66 (Juni 2018)
Typ: Magazin ohne Vereinsbindung
Preis: Fr. 8.50
Seiten: 84
Erscheinungsrhythmus: 10x/Jahr
Infos: http://www.zwoelf.ch/
Empfehlenswert für: Alle, die sich auf die WM freuen aber die x-te Analyse der Kader und der Spielorte nicht mehr sehen können.
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Disclaimer: Ich habe selbst schon für Zwölf geschrieben.

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